Wer Zwangsgedanken loswerden möchte, sollte diese 7 Dinge nicht tun...
Umgang mit Zwangsgedanken

Wer Zwangsgedanken loswerden möchte, sollte diese 7 Dinge nicht tun…

Jeder, der an Zwangsgedanken leidet, möchte diese bösen Gedanken loswerden, das steht fest. Jeder Betroffene weiß, wie schwer es aber ist, diese hartnäckigen Biester wieder aus dem Kopf zu bekommen. In diesem Artikel zeige ich Dir 7 typische Fehler die verhindern, dass Du Deine Zwangsgedanken loswerden kannst.

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Tatsächliche Gefahr überschätzen

Böse Gedanken loswerden

Kennst Du den Gedanken "Was wäre wenn...?" Wenn Du mit negativen Gedanken Probleme hast, dann wird Dir diese Frage sehr vertraut sein. 

Was wäre, wenn ich mein Brotmesser nach vorne gehalten hätte und mein Kind wäre um die Ecke gerannt. Er wäre mir direkt ins Messer gelaufen. Vielleicht hätte ich ihm damit versehentlich das Auge ausgestochen. Verdammt, so etwas darf mir nie wieder passieren. 

Menschen mit Zwangsgedanken machen 3 Fehler in Bezug auf die tatsächliche Gefahr

  1. Überschätzen der realen Gefahr
  2. Möglichen Konsequenzen wird zu viel Bedeutung beigemessen 
  3. Unterschätzen der eigenen Fähigkeiten

Hierzu ein Beispiel:

Man fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit und ist ziemlich flott unterwegs. Deshalb fährt man an einer unübersichtlichen Ausfahrt zu schnell vorbei.

Danach packt einen der Gedanke. Was, wenn da jetzt ein Auto rausgefahren wäre?

Man hätte nicht mehr bremsen können und wäre vom Auto wahrscheinlich überfahren worden. Man wird sofort von Angst und einem sehr schlechten Gewissen geplagt.

Was wäre nur aus den Kindern geworden? Wie kann man nur so gedankenlos sein und so viel aufs Spiel setzen? 

Der Betroffene fühlt sich so, als wäre er nur knapp dem Tod entronnen. Das liegt an der übertriebenen Bewertung der Situation.

Analysieren wir dieses Beispiel einmal nach den 3 oben genannten Fehlern.

Fehler #1: Die reale Gefahr wird überschätzt

Ich bin in Wahrscheinlichkeitsrechnung nicht so gut gewesen, aber es ist schon recht unwahrscheinlich, dass genau in dem Moment, in dem man an der Ausfahrt vorbei fährt, ein Auto raus kommt.

Natürlich kann so etwas vorkommen, aber lassen wir die Wahrscheinlichkeit mal 1 zu 1000 sein (vermutlich ist sie kleiner). 

Fehler #2: Möglichen Konsequenzen wird zu viel Bedeutung beigemessen

Konsequenzen einer Gefahr werden bei Menschen, die unter Zwangsgedanken leiden, überschätzt.

Das bedeutet für unser Beispiel, selbst wenn das Auto genau im falschen Moment aus der Ausfahrt fährt und es wirklich zu einem Unfall kommt, dann bedeutet das nicht gleich, dass man tot ist.

Das Auto würde wohl eher langsam aus der Ausfahrt kommen und sich in die Straße rein tasten. Man würde vielleicht einen Sturz erleiden, wenn es zur Kollision kommt. Aber stirbt man da gleich?

Nein, natürlich nicht.

Sagen wir hier, die Wahrscheinlichkeit wäre 1 zu 50. Beide Werte zusammen (1 zu 1000 sowie 1 zu 50) ergeben eine ganz grob und großzügig geschätzte Gesamtwahrscheinlichkeit von 1 zu 50.000.

Also, objektiv betrachtet, ist das kein Grund durchzudrehen und panisch zu werden. Der Radfahrer ist dem Tod nicht knapp entronnen. Das empfinden Menschen, die Probleme mit Zwangsgedanken haben, nur so. 

Fehler #3: Unterschätzen der eigenen Fähigkeiten

Deswegen ist das Selbstvertrauen dieser Menschen, die so gerne ihre bösen Gedanken loswerden wollen, auch oft sehr angeknackst. Das führt dazu, dass die eigenen Fähigkeiten unterschätzt werden.

Aber auch die Fähigkeiten anderer Menschen, die ja auch eine Gefahr abwenden können, werden teilweise als gar nicht vorhanden wahrgenommen. 

Meistens sind betroffene Menschen, die diese nervigen Zwangsgedanken loswerden wollen, sehr aufmerksame Personen und haben gute Reaktionen.

Man könnte sein Rad vielleicht noch bremsen oder kurzerhand ausweichen und am Auto vorbeifahren. Auch der Autofahrer könnte ja noch bremsen, wenn er realisiert, dass da was kommt. 

Man darf die eigenen Fähigkeiten (und die anderer Menschen) nicht immer so niedrig bewerten. 

Gefahrensituationen realistisch bewerten

Es gibt reale Gefahren, das ist Fakt. Wer aber einigermaßen umsichtig durch unsere Welt geht, der lebt schon sehr sicher und braucht nicht jeden Tag das Gefühl haben, dass der kleinste Fehler zum unvermeidlichen Verderben führt.

Überzogenes Verantwortungsgefühl

Du nimmst alles zu ernst

Hilfe bei Zwangsgedanken suchen meistens Menschen, die im wirklichen Leben sehr leistungsfähig sind und große Verantwortung tragen.

Das sind keine Taugenichtse, denen alles egal ist und die sich um nichts kümmern.

Ganz im Gegenteil, wer unter Zwangsgedanken leidet, der ist sehr gewissenhaft und liebt die Kontrolle. Hier liegt leider auch das Problem. 

Man muss sich bewusst machen, dass wir nicht persönlich für alles verantwortlich sind, was passiert.

Man kann (leider) auch nicht alles verhindern, was passieren könnte.

Das muss man sich selbst eingestehen.

Nur weil wir mal einen Fehler machen oder Quatsch denken, geht nicht gleich die Welt unter. Wir sind in guter Gesellschaft. Milliarden Menschen geht es ganz genauso. 

Zwangsgedanken loswerden durch Loslassen

Man muss den Wunsch nach totaler Kontrolle der Gedankenwelt ein Stück weit loslassen. Was übrig bleiben darf, ist Gewissenhaftigkeit und Umsichtigkeit.

Für Menschen, die Hilfe bei Zwangsgedanken suchen, ist das aber die leichteste Übung. Um so zu sein, muss man sich nicht anstrengen, das liegt quasi schon tief verwurzelt in den Genen. 

Fehlende Abgrenzung von Gedanken und Taten

Zwangsgedanken sind keine Taten

Wer Hilfe sucht beim Zwangsgedanken loswerden, der muss sich bewusst machen, dass Gedanken keine Taten sind.

Nur weil man etwas Negatives denkt, wird es nicht wahrscheinlicher, dass man das Gedachte auch wirklich tut.

Bloß weil ich mir vorstelle, was wäre, wenn ich jetzt von dem Hochhaus springe, erhöht sich nicht die Wahrscheinlichkeit, dass ich tatsächlich runter hüpfe.

Ganz im Gegenteil! Die Angst, die mir diese Vorstellung macht, ist ein ganz klares Zeichen dafür, wie wenig ich sowas wirklich will.

Sagen wir mal, Du liebst Deine Kinder, Deinen Hund, Deine Katze oder was auch immer, dann sind aggressive Gedanken in Bezug auf die Genannten...trotzdem nur Gedanken.

Sie sind kein Zeichen dafür, dass Du Deinem Kind, Deinem Hund oder Deiner Katze wirklich etwas antun willst. 

Machen Dir solche Vorstellungen große Angst?? Natürlich! Das ist doch das sichere Zeichen dafür, wie wichtig Dir diese Menschen oder Tiere sind und wie wenig Du möchtest, dass ihnen etwas zustößt. 

Gerade in Bezug auf das, was uns am kostbarsten in unserem Leben ist, haben wir die größten Ängste, die sich durch seltsame und völlig unpassende Gedanken äußern können.

Als Mensch mit Zwangsgedanken stresst man sich bei solchen Gedanken viel zu sehr rein, weil man so irre große Angst davor hat, dass aus den Gedanken vielleicht auch Taten werden könnten.

Das ist aber das Letzte, was man wirklich will. Deshalb macht es einem auch so große Angst. Daher darf man dem Gedanken keine Bedeutung beimessen, denn man will das ja nicht.

Nicht jeder Gedanke unseres Gehirns ist sinnvoll oder ein Ausdruck für das, was wir wollen oder tun möchten.   

Gedanken sind keine Taten

Etwas Negatives zu denken ist nicht das Gleiche, wie etwas Negatives zu tun. 

Falsche Überzeugung in Bezug auf die Kontrolle der Zwangsgedanken

Zwangsgedanken kontrollieren

Wer Zwangsgedanken loswerden möchte, ist vom Wesen her perfektionistisch veranlagt und hat hohe Wert- und Moralvorstellungen.

Man hasst es, dass man Gedanken hat, die man verabscheut und es einem einfach nicht gelingen mag, die Kontrolle über diese negativen Gedanken zu erlangen und sie dann abzustellen. 

Findest Du Dich in dieser Beschreibung wieder?

Dann mache Dir bitte bewusst, Du kannst nicht kontrollieren, was Du denkst und wann Du etwas denkst.

Wir Menschen haben nicht die Kontrolle über die Gedanken, die uns dann und wann in den Kopf schießen.

Aber Du hast die Kontrolle darüber, wie Du mit diesen Zwangsgedanken umgehst.

Du hast die Wahl! Machst Du Dich fertig für etwas, dass nichts bedeutet, dass Du nicht steuern kannst und dass auch keine reale Gefahr darstellt?

Oder möchtest Du damit umgehen, wie die meisten anderen Menschen dieser Welt (die kein Problem mit Zwangsgedanken haben)? Die messen einem blödsinnigen oder ekligen Gedanken nämlich einfach keine Bedeutung zu und denken nicht weiter darüber nach.

Bitte höre auch Du damit auf, all Deine Gedanken als bedeutsam einzustufen. 

Man hat keine Kontrolle über seine Gedanken

Wir müssen akzeptieren, dass jeder Mensch manchmal höchst seltsame Gedanken hat. Kein Mensch kann seine Gedanken kontrollieren. Wer es versucht, wird bald von ihnen kontrolliert. Also, tu Dir selbst einen Gefallen und versuch es nicht mehr.

Unterdrücken der Zwangsgedanken

Negative Gedanken unterdrücken

Etwas, das wir nicht mögen, tun wir nicht. Gedanken, die man nicht mag, möchte man ebenso nicht denken.

Also versuchen wir, solche Gedanken zu unterdrücken. Das ist logisch. Und dennoch falsch.

Es führt nämlich dazu, dass die negativen Gedanken immer mächtiger und allgegenwärtiger werden. Unser Gehirn funktioniert nicht so, dass wir ihm jederzeit vorschreiben können, was es zu denken hat.

Wir können nur bewerten, ob wir diese Gedanken gut oder schlecht finden.

Wer versucht Zwangsgedanken zu unterdrücken, erreicht genau das Gegenteil. Sie gehen davon nicht weg. Das Ziel "Zwangsgedanken loswerden" rückt damit sogar in immer weitere Ferne.

Sie werden mit der Zeit nur immer stärker und verursachen immer mehr Angst, weil man sich fragt:

Wenn ich den ganzen Tag über [wovor hast Du Angst?] nachdenke, dann muss ich insgeheim doch  [wovor hast Du Angst?] wollen, oder?

Die Antwort darauf ist übrigens Nein

Nur weil Du etwas denkst, heißt das nicht, dass Du etwas willst.

Dieser immer beherrschendere Einfluss der Zwangsgedanken ist das Resultat davon, dass man mit ihnen nicht richtig umgeht.

Der richtige Umgang mit Zwangsgedanken

Was wäre der richtige Umgang mit Zwangsgedanken? 

  1. Zuerst nimmst Du den Gedanken wahr. 
  2. Ordne ihn dann als Zwangsgedanken ein (=negativer Gedanke, der mir Angst macht)
  3. Lass den Gedanken im Anschluss vergehen, ohne einen Rückschluss auf Deine Person zu ziehen.

Du bist kein schlechter Mensch, nur weil Du etwas denkst, was Du selbst als eklig oder abstoßend empfindest. Jeder Mensch tut das dann und wann.

Die starken Emotionen, die Du bei diesen Gedanken empfindest, sind auch kein Indiz dafür, dass Du das Gedachte insgeheim willst. Nein, sie zeigen nur, wie sehr Dich das Thema aufwühlt.

Wenn Du sie nicht schon hast, dann empfehle ich Dir meine kostenlosen Anleitung "3 Tricks um Zwangsgedanken schnell und einfach zu stoppen". Klicke einfach auf den Link, wenn Dich das interessiert.

Nicht Kontrolle der Gedanken entscheidet, sondern Bewertung.

Es ist egal was Du denkst. Gedanken sagen nichts über Deine Persönlichkeit aus. Entscheidend ist, wie Du mit den Gedanken umgehst. Positive Gedanken kann man aufgreifen. Gedanken, die man als sinnlos oder negativ empfindet, lässt man weiter ziehen, ohne darüber nachzugrübeln. 

Vermeiden von problematischen Situationen

Situation verursacht Zwangsgedanken

Sagen wir, jemand hat Angst davor, pädophil zu sein. Was tut er? Er versucht jeden Kontakt mit Kindern zu vermeiden, damit nicht wieder irgendwelche bösen Gedanken in Bezug auf Kinder auftreten, die dann wiederum so schreckliche Schuldgefühle auslösen.

Oder jemand hat Angst, er könnte sich bei anderen Menschen eine ansteckende Krankheit einfangen. Was tut er? Klar, man versucht zu keinen Ärzten mehr zu gehen (denn da wimmelt es ja vor Kranken) und meidet auch sonst größere Menschenmengen, so gut es eben geht.

Kann man durch solche Vermeidungsstrategien wirklich seine Zwangsgedanken loswerden?

NEIN!

Man macht die Zwangsgedanken damit nur immer mächtiger und verschlimmert das Problem mehr und mehr.

Die Zwangsgedanken sind wie ein schwarzes Loch, das von der Macht genährt wird, die man ihm gibt.

Mit einem solchen Vermeidungsverhalten gibt man ihm extreme Macht und sorgt dafür, dass das schwarze Loch die eigene Unbeschwertheit und das Glück mehr und mehr verschlingt.

Hilft Vermeiden von bestimmten Situationen bei Zwangsgedanken?

Nein. Auch wenn Zwangsgedanken bei dem Betroffenen große Angst verursachen, sind sie nur ein mentales Problem. Wer aber aufgrund dessen, sein tatsächliches Verhalten ändert, der verschlimmert alles. Wer Zwangsgedanken loswerden will, der darf nicht sein Verhalten ändern. Vielmehr muss der richtige Umgang mit den negativen Gedanken gelernt werden. 

Denkrituale sein lassen

Keine Denkrituale

In meinem Artikel, "Was sind Zwangsgedanken" habe ich erklärt, wie der Kreislauf von Zwangsgedanken funktioniert. Auch bei Netdoktor findet man eine gute Erklärung des Krankheitsbildes. 

Zusammengefasst kann man sagen, dass der Zwangsgedanke erst einmal große Angst verursacht.

Darauf folgende Denkrituale beruhigen den Betroffenen und lindern die Panik. Diese gedanklichen Rituale nehmen einige Zeit in Anspruch und werden meistens mehrfach täglich ausgeführt.

Du weißt, was ich meine? Gut.

Dann muss ich Dir etwas Schlechtes mitteilen. Wenn Du die Zwangsgedanken wirklich besiegen willst, dann musst Du die Denkrituale sein lassen. Und zwar komplett.

Das ist hart, ich weiß, denn die Rituale dienen ja zur Beruhigung und werden als Hilfe wahrgenommen. Das ist aber leider nur die halbe Wahrheit.

Fakt ist, die Rituale im Kopf sind Teil des Problems. Man denkt sich immer "ich versuche die Zwangsgedanken loszuwerden und dann brauche ich ja keine Denkrituale mehr". Das wird aber nie eintreten.

Es ist wie ein Raucher, der sagt "wenn ich mal keine Lust mehr nach Zigaretten verspüre, dann werde ich auch aufhören zu rauchen". Blöd nur, dass das so nicht läuft. (Wer übrigens mit dem Rauchen aufhören möchte, dem kann ich Allan Carr sehr empfehlen, entweder die Bücher oder als Seminar).

Denkrituale halten Zwangsgedanken am Leben

Die als Hilfe empfundenen Denkrituale halten in Wahrheit die Zwangsgedanken, die man loswerden möchte, am Leben. Man muss also erst die Denkrituale aufgeben um dann mit der Zeit frei zu werden von Zwangsgedanken. 

Zusammenfassung

Was hilft gegen Zwangsgedanken? Hier ist die Zusammenfassung für alle, die Zwangsgedanken loswerden wollen:

  • Überschätze nicht die tatsächlichen Gefahren
  • Du bist nicht für alles verantwortlich
  • Gedanken sind keine Taten
  • Du kannst das Auftreten von Zwangsgedanken nicht kontrollieren
  • Unterdrücken von Zwangsgedanken funktioniert nicht
  • Vermeide keine problematischen Situationen
  • Auch wenn es schwer ist, Du musst mit Deinen Denkritualen aufhören

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